Ich habe Alfred auf der ersten großen Kinesiologiekonferenz in Amsterdam kennengelernt. Wir waren 5 Deutsche und ich die Einzige aus dem nicht medizinischen Bereich. Wir waren jung, neugierig und sooo beeindruckt, von dem, was wir da gehört und gelernt haben. Was uns gleich verbunden hat, war die Wertschätzung für diese Arbeit und das Bedürfnis, sie zu erforschen, tief kennenzulernen. Unsere zweite Begegnung war dann im Herbst in Berlin, Wolfgang Gillessen, Ravindra und ich hatten Dr. Paul Dennison für den Kurs „Edu-K für Fortgeschrittene“ eingeladen. Alfred ging es genau wie mir, wir waren fasziniert und haben uns von da an ausgetauscht, zusammen die Kinesiologie in Deutschland aufgebaut und durch gegenseitige Unterstützung jeder unseren besonderen Platz gefunden.
Alfred hatte ein unfehlbares Gespür dafür, was gut und wichtig war für seinen Weg. So hat er in einem Londoner Buchladen das grüne Buch entdeckt – Touch for Health a new approach to restoring our natural energies von John F. Thie D.C. – . Es hat ihn so fasziniert, dass er Kontakt aufgenommen hat zum ICAK- damals gab es noch kein Internet und es war nicht einfach über Telefon und Briefe. Es ist Alfred gelungen, zu den Treffen der Chiropraktiker und Ostheopathen zugelassen zu werden und dort die Grundlagen der Applied Kinesiology und das TFH zu lernen.
Zurück in Deutschland hat er mit seiner Partnerin Susanne Degendorfer und seinem Heilpraktiker Kollegen Mathias Lesch und dessen Frau Helga das IAK gegründet. Aus dem Nichts haben besonders Alfred und Susanne dieses phantastische Institut aufgebaut, zuerst in der Zasiusstraße in Freiburg und dann in Kirchzarten, wo das ganze Kurhaus mit den unterschiedlichsten Kursen pulsierte und so vielen Menschen, denen durch die Kinesiologie eine Chance gegeben wurde, einen ganz neuen Weg in ihrem Leben zu gehen.
Damit das Wissen gut verbreitet wurde, hat er mit seinem Team den VAK gegründet und immer dafür gesorgt, dass die internationale Literatur zur Kinesiologie auch auf dem deutschen Markt zur Verfügung stand.
Mit seinem Charisma, seiner unglaublichen Intelligenz und seinem Gespür für gute Leute, war Alfred einer der Menschen weltweit, der die Begründer der Kinesiologierichtungen wie John F. Thie, Gordon Stokes und Paul Dennison eingeladen hat und ihnen damit die Möglichkeit geboten hat, ihr Wissen zu verbreiten. Über all die Jahre ist es Alfred immer wieder gelungen, Lehrer und Lehrerinnen aller internationalen Kinesiologierichtungen nach Kirchzarten zu locken, die mit ihrem innovativen Wissen die Menschen bereichert haben und uns allen eine solide Basis in der Arbeit mit Kinesiologie ermöglicht haben.
Wir haben Alfred und Susanne zu verdanken, dass die Kinesiologie in Deutschland so vielfältig ist und solch eine enorme Verbreitung erfahren hat.
Durch unsere gute Zusammenarbeit ist es uns gelungen, alle Kinesiologierichtungen in Deutschland zusammen zu halten und mit der Gründung des Verbandes DGAK 1987 auch jedem eine Chance zu geben, den Beruf des Kinesiologen mitzugestalten.
Alfred war im Beirat der DGAK und hat mit seiner Präsenz, seinem Humor und seiner Menschlichkeit auf der MV für Kontinuität und Austausch gesorgt. Für viele Menschen war er eine Leitfigur. Er hat Mut gemacht und einen Rahmen geboten, sich zu trauen, diesen ungewöhnlichen Weg der Kinesiologie zu gehen.
Das IAK war das größte Kinesiologieinstitut weltweit. Viele internationale Institute haben sich ein Beispiel daran genommen. So sind die Ideen von Deutschland aus in die Welt getragen worden.
Das IAK hat durch den Einsatz von Alfred und Susanne besonders Ende der Neunziger und in den 2000ern legendäre Konferenzen mit namhaften deutschen Wissenschaftlern und internationalen Fachleuten der Kinesiologie abgehalten. Das hat uns allen Kraft und viel Freude gegeben, besonders die Partys waren unvergessliche Erlebnisse.
Alfred hat durch seine internationale Tätigkeit in den einzelnen Faculties besonders im IKC und LEAP wesentlich zum Erfolg der Kinesiologie beigetragen.
Vielen Dank Alfred. Wir werden dich sehr vermissen.
Wie kam Alfred dazu so einen außergewöhnlichen Weg zu gehen?
Alfred ist in der Nähe von Offingen in Hafenhofen, einem kleinen Dorf, aufgewachsen. Mit seiner Mutter und seinen Geschwistern hat er am Anfang seines Lebens viel Entbehrung kennengelernt. Er hat oft erzählt wie er als kleiner Junge die Gänse hüten musste und die Mutter oft weg war zur Arbeit. Sein Vater hat die Familie verlassen und eine neue Familie in den USA gegründet. Vielleicht war das die Basis dafür, dass die USA für Alfred später zu seiner zweiten Heimat geworden ist und er dort oft und gerne zu Besuch war.
Früh hat er seine Liebe zur Musik entdeckt und in einer Band gespielt. Hier hat er auch Susanne kennengelernt. Zusammen sind sie dann zu Beginn der siebziger Jahre nach Berlin gegangen. Alfred wollte eigentlich Medizin studieren und ist dann aber über einen Heilpraktiker zur Heilpraktikerausbildung gekommen und hat als fertiger Heilpraktiker gleich eine Praxis in Freiburg übernommen. Seine Praxis war schnell voll. Mit seinem Charisma und seiner Betroffenheit von den Menschen war er sehr erfolgreich. Er wollte helfen und hat so weiter nach effektiveren Behandlungsmethoden gesucht. So hat er die Kinesiologie kennengelernt und sofort gespürt und in der Praxis erfahren, dass er damit Menschen wirklich helfen kann. Mit der Gründung des IAKs und VAKs hat er diesen Herzenswunsch für unzählige Menschen in Deutschland und international verwirklicht. Seine Samen, die er gepflanzt hat, wachsen und leuchten tausendfach und werden sich über all die Menschen, die er berührt hat, weiter verbreiten.
In tiefer Trauer und Dankbarkeit
Deine Kollegin, Wegbegleiterin und Freundin
Renate Wennekes

