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Tiere entwicklungskinesiologisch begleiten – Fine’s Weg zum ersten Fohlen

Meine Stute Dauphine – von allen nur Fine genannt – begleitet mich inzwischen seit 18 Jahren. Kennengelernt habe ich sie, als sie gerade drei Monate alt war. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt. In den ersten vier Jahren lebte sie noch nicht bei mir, sodass ich sie nur ein- bis zweimal im Jahr besuchen konnte. Dennoch schien unsere Verbindung von Anfang an etwas Besonderes zu sein. Auch nach längerer Zeit kam sie bei meinen Besuchen oft direkt aus der Herde von zehn bis zwölf Pferden auf mich zu, als hätten wir uns erst am Vortag gesehen.

Als Fine vier Jahre und ich 14 Jahre alt war, kam sie schließlich zu mir. Seitdem haben wir nahezu jeden Tag miteinander verbracht.

In gewisser Weise sind wir gemeinsam erwachsen geworden. Über all die Jahre hinweg haben wir Höhen und Tiefen erlebt, Herausforderungen gemeistert und eine tiefe Verbindung aufgebaut. Diese lange gemeinsame Geschichte macht es mir heute möglich, viele ihrer kleinen Veränderungen wahrzunehmen und ihren Weg so aufmerksam zu begleiten.

Schon vor einigen Jahren kam der Gedanke auf, Fine einmal ein Fohlen bekommen zu lassen. Damals waren wir jedoch mitten in unserer aktiven sportlichen Zeit und der Wunsch rückte wieder in den Hintergrund.

Erst vor etwa anderthalb Jahren wurde das Thema erneut präsent. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass Fine selbst diesen Impuls gegeben hat. Sie war immer ein sehr motiviertes Sportpferd, das seine Aufgaben mit großer Freude und viel Ehrgeiz erfüllt hat. Gemeinsam haben wir über die Jahre viele Erfahrungen gesammelt, Herausforderungen gemeistert und auch schöne sportliche Erfolge erlebt. Sie schien an einem Punkt angekommen zu sein, an dem sie ihr sportliches Potenzial voll entfaltet hatte. Für einige Zeit konnten wir diesen Weg noch weitergehen, doch zunehmend zeigte sie mir, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginnen durfte. Es war nicht so sehr ein Abschied vom Sport, sondern vielmehr das Gefühl, dass ihre bisherige Aufgabe erfüllt war und Raum für etwas Neues entstehen wollte.

Im Frühjahr begann unser gemeinsamer Weg Richtung Trächtigkeit. Wie wahrscheinlich viele Pferdebesitzer hoffte ich auf einen unkomplizierten Verlauf. Doch die Realität sah anders aus. Besamung um Besamung verging, ohne dass Fine tragend wurde. Nach jeder Kontrolle gab es zunächst Hoffnung und anschließend Enttäuschung.

Natürlich wurden tierärztliche Untersuchungen durchgeführt und verschiedene Möglichkeiten ausgeschöpft. Rückblickend weiß ich aber auch, dass dabei nicht nur Fines Alter eine Rolle spielte, sondern ebenso meine eigenen Sorgen. Eigentlich vertraue ich sehr auf die Entwicklungskinesiologie, auf die Selbstregulationskräfte des Körpers und auf die Verbindung zwischen Körper, Geist und Emotionen. Doch in dieser Situation bemerkte ich bei mir selbst etwas anderes: Angst.

Fine war bereits 17 Jahre alt und sollte ihr erstes Fohlen bekommen. Immer wieder tauchten Gedanken auf wie: „Was, wenn es nicht klappt?“ oder „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Aus diesem Gefühl heraus wollte ich sicher sein, nichts zu übersehen und keine Möglichkeit ungenutzt zu lassen.

Heute erkenne ich darin etwas wieder, das viele Menschen mit Kinderwunsch erleben. Den Wunsch, alles richtig zu machen. Die Sorge, wertvolle Zeit zu verlieren. Den Druck, der entsteht, wenn Hoffnung und Unsicherheit nebeneinander bestehen. Gerade dadurch wurde mir noch einmal bewusst, wie wichtig die Themen sind, die wir in der Entwicklungskinesiologie begleiten. Denn häufig geht es nicht nur um körperliche Voraussetzungen, sondern auch um Vertrauen, Sicherheit und die Frage, ob wir uns erlauben können, dem eigenen Weg zu vertrauen.

Gleichzeitig begann ich, Fine entwicklungskinesiologisch zu begleiten. Ich balancierte sie auf die Empfängnis, arbeitete mit positiven Punkten, hielt Akupunkturpunkte und unterstützte sie mit verschiedenen Methoden aus der Entwicklungskinesiologie, dem Touch for Health und AMSTAR (Amazing Simple Trauma Release). Dabei bereitete ich sie immer wieder bewusst auf die anstehenden Schritte vor und begleitete sie auf ihrem Weg zur Mutterschaft.

Dabei bemerkte ich etwas, das ich aus meiner Arbeit zwar kannte, aber nun selbst erleben durfte: den ständigen Wechsel zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Das Warten. Das Hoffen. Die Frage, ob es diesmal geklappt hat. Und dann wieder die Enttäuschung, wenn es nicht so war.

Interessanterweise begann ich genau in dieser Zeit, die Workshops zur Entwicklungskinesiologie zu unterrichten. Während ich anderen Menschen die Prozesse von Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt näherbrachte, erlebte ich die Themen selbst auf einer sehr persönlichen Ebene. Plötzlich verstand ich noch einmal viel tiefer, was Menschen bewegt, die sich ein Kind wünschen oder einen Schwangerschaftsweg begleiten. Natürlich ist es etwas anderes, ob man selbst schwanger werden möchte oder seine Stute begleitet. Doch dieses Leben zwischen Hoffen und Bangen konnte ich nun aus eigener Erfahrung nachvollziehen.

Trotz aller Rückschläge hatte ich nie das Gefühl, dass Fine diesen Weg nicht gehen möchte. Im Gegenteil. Sie war schon früher eine wunderbare „Tante“ für jüngere Pferde gewesen, und ich spürte immer wieder ihren Wunsch, selbst Mutter zu werden.

Besonders berührt hat mich ein Moment bei der Hengstauswahl. Ich legte mehrere Namen aus und ließ Fine selbst entscheiden. Immer wieder ging sie zu demselben Hengst und wandte sich von den anderen ab. Für mich war das ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie klar Tiere oft wissen, was für sie stimmig ist, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, sich auszudrücken.

Mit der Zeit wurde immer deutlicher, dass vielleicht nicht die medizinischen Voraussetzungen das eigentliche Problem waren. Fine stand damals in einem Ausbildungsstall mit viel Bewegung, wechselnden Nachbarn und immer wieder neuen Eindrücken. Für unsere sportlichen Karriere absolut passend, für den neuen Lebensabschnitt aber nicht von Vorteil. Erst als sie in einen Stall umzog, in dem ausschließlich Zuchtstuten leben, veränderte sich etwas grundlegend. Dort fand sie Ruhe, eine stabile Herde und ein Umfeld, das zu ihrem neuen Lebensabschnitt passte.

Noch bevor die Trächtigkeit bestätigt wurde, hatte ich das Gefühl, dass dieser Ort der richtige war. Heute glaube ich, dass nicht nur der Körper bereit sein muss, sondern auch das Umfeld.

Ende Juli kam schließlich die Nachricht, auf die wir so lange gewartet hatten: Fine war tragend.

Seitdem begleite ich Fine und ihr heranwachsendes Fohlen weiterhin kinesiologisch. Ich balanciere sowohl Fine als auch ihr Fohlen regelmäßig. Dabei betrachte ich die beiden nicht nur jeweils für sich, sondern auch die verschiedenen Verbindungen, die zwischen ihnen bestehen.

Ich teste die Verbindung von Fine zu ihrem Fohlen, die Verbindung des Fohlens zu seiner Mutter, aber auch die Verbindung beider zu sich selbst. Darüber hinaus schaue ich, ob die beiden im PACE sind, also ausreichend Energie vorhanden ist, ob beide aktiv und klar in ihrer Ausrichtung sind und wie ihre aktuelle innere Verfassung aussieht. Für mich ist das eine Möglichkeit, beide individuell wahrzunehmen und gleichzeitig die Beziehung zwischen ihnen bewusst zu begleiten.

Ergänzend arbeite ich mit den entsprechenden Balancen, Positiven Punkten, dem Halten von Akupressurpunkten und weiteren Methoden aus der Entwicklungskinesiologie, dem Touch for Health und AMSTAR. Dabei bereite ich sie immer wieder bewusst auf die anstehenden Schritte vor und begleite sie auf ihrem Weg zur Mutterschaft.

Besonders faszinierend ist für mich dabei immer wieder zu erleben, wie fein Tiere auf diese Begleitung reagieren. Oft reichen kleine Impulse, damit sich etwas ordnet oder entspannt. Gerade während der Trächtigkeit habe ich immer wieder das Gefühl, dass Fine und das in ihr wachsende Leben sehr deutlich auf diese Form der Begleitung antworten.

Besonders schön ist es für mich, die Entwicklung nun jeden Tag beobachten zu dürfen. Zu sehen, wie der Bauch wächst, wie Fine immer mehr in ihrer Rolle als werdende Mutter ankommt und wie sich die Verbindung zwischen ihr und ihrem Fohlen entwickelt.

Während ich diese Zeilen schreibe, stehen wir kurz vor dem Geburtstermin. Die Vorfreude ist groß, und natürlich begleitet mich auch eine gewisse Spannung. Doch vor allem empfinde ich Dankbarkeit.

Dankbarkeit für Fine, für alles, was sie mich auf diesem Weg gelehrt hat, und für die Erfahrung, Entwicklungskinesiologie nicht nur als Methode anzuwenden, sondern sie in einem so besonderen Lebensabschnitt gemeinsam mit einem Tier erleben zu dürfen.

Manchmal braucht neues Leben nicht nur einen gesunden Körper, sondern auch den richtigen Zeitpunkt, die passenden Umstände und das Gefühl, wirklich willkommen zu sein.

Stella Peters

Kinesiologin BK DGAK zertifiziert

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