Eine Ausbildung, die mich fachlich und persönlich geprägt hat!
Als im November 2023 in Budapest die Ausbildung der Entwicklungskinesiologie mit der Organisation der Ungarischen Kinesiologischen Stiftung begann, ahnte ich noch nicht, wie prägend die folgenden zweieinhalb Jahre für mich sein würden. Natürlich hoffte ich, viel neues Fachwissen zu erwerben, doch letztlich habe ich weit mehr bekommen: eine umfassende, lebendige und tiefgehende Perspektive, die nicht nur meine Arbeit verändert hat, sondern auch mein eigenes Funktionieren und meine Beziehungen in ein neues Licht gerückt hat.
Die Entwicklungskinesiologie erschien mir von Anfang an etwas Besonderes zu sein. Dieser ganzheitliche Ansatz hilft durch die Prozesse der frühkindlichen Entwicklung, unser erwachsenes Funktionieren, unsere Beziehungen und die in unserem Leben immer wiederkehrenden Muster zu verstehen. Von der Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt, über die Motorische Entwicklung, die Reflexe und die sensorische Integration bis hin zur Entwicklung von Sprache und Handgeschicklichkeit verfolgt sie die Stationen der menschlichen Entwicklung. Für mich war die Erkenntnis besonders wertvoll, dass all das, was wir in den frühesten Phasen unseres Lebens erfahren haben, bis heute auf uns wirkt und dass diese Muster nicht unveränderlich sind, sondern durch Bewusstheit, Aufmerksamkeit und angemessene Unterstützung gestaltet werden können.
Die Methode wurde von Renate Wennekes und Angelika Stiller entwickelt. Einer der größten Werte der Entwicklungskinesiologie liegt in ihrer Praxisorientierung, die ein tiefes Verständnis ermöglicht. Sie hilft, die tieferliegenden Muster sichtbar zu machen, die in uns wirken und unterstützt uns dabei, im Alltag flexibler und bewusster präsent zu sein.
Das erste Modul widmete sich der Motorischen Entwicklung. Es war sehr inspirierend, den Raum zu betreten, der voller interessierter und offener Menschen war. Mehr als zwanzig nahmen teil und schon die Atmosphäre ließ spüren, dass etwas Besonderes begann. Das Programm war dynamisch, spannend und fachlich sehr reichhaltig. Die Bewegungsentwicklung hielt ich schon zuvor für wichtig, doch hier verstand ich viel tiefer, welchen grundlegenden Einfluss frühe Bewegungsmuster auf späteres Lernen, Selbstregulation und die Organisation des Nervensystems haben. Kein Wunder, dass nach dem Kurs fast alle die Fortsetzung kaum erwarten konnten.
Das nächste Modul zum Thema Reflexe und deren Reaktionen wurde fortgesetzt. Das im Bereich der Motorischen Entwicklung gelernte erhielt hier neue Zusammenhänge und vieles fügte sich an seinen Platz. Besonders gefiel mir, dass wir die Reflexe nicht als rein theoretische Thematik behandelten, sondern als praktische das sich in der Praxis gut anwenden lässt. Mehrmals hatte ich das Gefühl, dass eine neue Information zugleich eine fachliche Erkenntnis und ein persönliches „Aha-Erlebnis” war.
Das Modul über die Integration der Sinne blieb ebenfalls prägend für mich. Durch eigene Erfahrungen verstand ich wirklich, wie wichtig die sensorische Verarbeitung für unser Sicherheitsgefühl und unser Lernen ist und dafür, wie sehr wir mit Freude und aktiv in unserem eigenen Leben präsent sein können. Besonders erfreulich war für mich, dass wir die Funktionen von Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken und Gleichgewicht nicht als trockenen Lernstoff, sondern durch erlebbare, spielerische Aufgaben erfahren haben. Diese Leichtigkeit und das erfahrungsbezogene Lernen, zogen sich durch die gesamte Ausbildung.
Das Modul zur Entwicklung von Sprache und Handgeschick lag mir besonders nahe. Es war äußerst spannend zu erleben, dass Sprachentwicklung nicht einfach ein kognitiver Prozess ist, sondern das Ergebnis einer komplex organisierten neurobiologischen Struktur. In der Ausbildung beschäftigten wir uns intensiv mit den Hirnarealen, die für Bewegung, Wahrnehmung und Sprachentwicklung verantwortlich sind. Hier wurde mir besonders klar, dass alles miteinander zusammenhängt. Bewegungsentwicklung, frühkindliche Reflexe und sensorische Integration fügten sich in diesem Modul zu einem einheitlichen System zusammen.
Der spätere Abschnitt der Ausbildung entwickelte sich für mich zu einer noch tieferen, in vieler Hinsicht spirituellen Reise. Die Module Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt sind an sich schon besonders, doch die Art und Weise, wie wir in der Ausbildung damit gearbeitet haben, war für alle Teilnehmenden eine wirklich individuelle Erfahrung. Wir betrachteten diese Lebensphasen aus verschiedenen Perspektiven: biologisch, psychologisch und persönlichen Ebenen. Ich empfand es als sehr wertvoll, dass jede und jeder sich im eigenen Tempo und über die eigene Geschichte mit diesen Themen verbinden konnte. Für mich war es besonders berührend, darüber nachzudenken, wie die Geschichte meines Ankommens auf der Erde in mir weiterlebt und wie sie sich in meinen Entscheidungen, meinem Verhältnis zum Vertrauen oder meiner Anpassungsfähigkeit an Veränderungen zeigen kann.
Das Modul zur Empfängnis war am stärksten mit Themen wie Entscheidung, Verpflichtung und dem Gefühl der Zugehörigkeit verbunden. Der Inhalt zur Schwangerschaft half mir, mich tiefer auf jene frühen Erfahrungen einzustimmen, die mit Vertrauen, Anpassung und innerer Entwicklung zusammenhängen. Das Modul zur Geburt war besonders kraftvoll, der Gedanke, dass die erste große Veränderung, „wie wir auf diese Welt kommen”, ein Muster dafür sein kann, wie wir später auf neue Situationen reagieren, war für mich sehr bereichernd. Diese Module waren für mich nicht nur fachlich bedeutsam, sondern haben mich auch tief berührt.
Was meinen eigenen beruflichen Weg betrifft, war es für mich als Lehrerin und als Fachperson mit psychologischem Hintergrund besonders inspirierend zu sehen, wie sich in dieser Ausbildung Entwicklungspsychologie, Pädagogik und ein körperlich erfahrungsbasierter Ansatz miteinander verbinden. Ich habe viele Erkenntnisse gewonnen, die ich direkt in meine Arbeit einfließen lassen kann.
Die vielen spielerischen, bewegungsorientierten und kreativen Aufgaben waren für mich nicht nur methodisch wertvoll. Ich konnte die Freude an der Bewegung, die Neugier und die Freiheit des Entdeckens neu erleben. Ich stellte fest, dass auch meine Haltung zum Alltag leichter und gelassener geworden ist. Das war für mich ein großes Geschenk.
Besonders hervorheben möchte ich die Balancebögen, die ich als äußerst hilfreich empfand erlebte. Sie führen sehr präzise durch das jeweilige Thema und boten mir tatsächlich einen punktgenauen Ausgangspunkt für das Balancieren. Neben dem Muskeltest ist mir auch das „Noticing“, also die nach innen gerichtete Körperwahrnehmungsarbeit ohne Muskeltest, besonders nahegekommen. Ich habe gelernt, die Signale des Körpers respektvoll und achtsam wahrzunehmen, was in meinem eigenen Selbsterfahrungsprozess sehr wertvoll war.
Zum Erlebnis der Ausbildung hat auch die Arbeit unserer Ausbildungsleitung Brigitte Muhr-Berthold wesentlich beigetragen, mit der unsere Gruppe eine sehr gute Beziehung aufgebaut hat und mit der wir durchgehend äußerst zufrieden waren. Über zweieinhalb Jahre hinweg hat sie unseren Prozess unterstützend, mit großem Fachwissen, Engagement und echter persönlicher Präsenz begleitet. Für mich war besonders wichtig, dass sie einen sicheren Raum für Fragen, Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen geschaffen hat. Diese tragende Präsenz hat viel bedeutet und wesentlich dazu beigetragen, dass die Ausbildung nicht nur informativ, sondern auch tief transformierend sein konnte.
Die Entwicklungskinesiologie ist nicht nur eine Methode. Sie ist vielmehr eine Haltung, die lehrt, unserer eigenen Geschichte mit Respekt zu begegnen und den in uns liegenden Entwicklungsmöglichkeiten mit Vertrauen zu folgen. Diese zweieinhalb Jahre haben mich fachlich bereichert und mir Erfahrungen geschenkt, für die ich aufrichtig dankbar bin.
Ich kann diese Ausbildung allen von Herzen empfehlen, die die menschliche Entwicklung tiefer verstehen möchten, die offen für die Zusammenhänge von Körper und Seele sind und die ein Wissen suchen, das sowohl im beruflichen Kontext als auch im eigenen Leben gleichermaßen anwendbar ist. Geschrieben und Übersetzt vom Original Ungarischen auf Deutsch und Englisch von Angéla Remete, April 2026

