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Erleben statt Gießkannenprinzip

Lernen durch Erleben statt mit dem Gießkannenprinzip

Im letzten Beitrag habe ich beschrieben, warum die dreijährige Struktur der Ausbildung für mich so wertvoll war. Heute geht es um einen weiteren Aspekt, der für mich den entscheidenden Unterschied gemacht hat: die besondere Art des Lernens.

Ich hatte ja bereits erzählt, dass ich selbst Trainerin bin.

Als ich 2010 begann, meine ersten Seminarkonzepte zu entwickeln, wurde mir schnell klar, wie ich Lernen gestalten möchte. Nicht nach dem Gießkannenprinzip, bei dem möglichst viel Wissen über möglichst viele Menschen ausgeschüttet wird. Sondern so, dass Menschen selbst entdecken, erleben und reflektieren können.

Ich wollte Räume schaffen, in denen es nicht zuerst um Theorien oder Folien geht, sondern um die Menschen, die dort sitzen.

Räume, in denen Teilnehmende hineinspüren können: Was beschäftigt mich gerade? Was brauche ich? Was bringt mich meinen Zielen näher?

Kurz gesagt: Ich wollte Lernen bedarfsorientiert gestalten.

Wahrscheinlich deshalb, weil ich mir genau so etwas selbst immer gewünscht hätte.

Und dann fand ich genau das im Institut wieder.

Dort waren Theorie und Praxis für mich auf wunderbare Weise miteinander verbunden. Jedes Thema, jede Übung und jede Frage hatte immer auch etwas mit mir selbst zu tun. Ich lernte nicht über Entwicklung – ich entwickelte mich.

Mit allen Sinnen.

Es wurde gelacht und geweint (das hatte ich mich bis dahin noch nie in einer Aus- oder Weiterbildung getraut – was für ein Geschenk!). Wir bewegten uns, probierten aus, scheiterten, machten weiter und freuten uns über alles: Über das Versagen genauso wie über kleine und große Fortschritte. Mal als Gruppe, mal jede und jeder für sich. Dabei hatte ich zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, gesehen, gehört und wertgeschätzt zu werden.

Was mich besonders freute, war die Leichtigkeit, mit der selbst anspruchsvollste Inhalte vermittelt wurden. Das kannte ich bisher nur von mir selbst, und es aus der Perspektive der Lernenden zu erleben, war einfach schön.

Komplexe Zusammenhänge wurden nicht kompliziert erklärt, sondern so aufbereitet, dass Lernen Freude machte. Humor gehörte genauso dazu wie Bewegung, fachliche Kompetenz genauso wie Menschlichkeit.

Etwas anderes fiel mir ebenfalls auf.

In vielen Aus- und Weiterbildungen hatte ich erlebt, dass Lehrende sich – bewusst oder unbewusst – stark in den Mittelpunkt stellen. Dass es um Status, Selbstdarstellung oder darum geht, als Expert:in bewundert zu werden.

Im Institut für Kinesiologische Lehre habe ich davon nichts erlebt.

Dort stand nie eine einzelne Person im Mittelpunkt, sondern immer das gemeinsame Lernen. Dort wurde anerkannt, dass jede:r schlau und kompetent ist und Fehler machen kann– die Lehrenden genauso wie wir Auszubildenden.

Fehler waren hier auch keine Schwäche, sondern Lernchancen. Niemand musste perfekt sein. Stattdessen entstand eine Haltung, die ich sehr schätze: Gemeinsam sind wir klüger als allein.

Diese Kultur war unabhängig davon, wer gerade unterrichtete – lokale oder internationale Lehrende oder auch wir selbst uns gegenseitig.

Alle Lernbegleiter:innen begegneten uns mit großer Fachkompetenz, gleichzeitig aber auch mit Augenmaß, Mitgefühl und echter Wertschätzung. Sie hatten nicht nur den Lernstoff im Blick, sondern immer auch die Menschen, die gerade lernten.

Für mich war das eine außergewöhnliche Kombination.

Auch die Unterlagen spiegelten diesen Anspruch wider.

Zu jedem Kurs erhielten wir umfangreiche Skripte mit etwa 100 Seiten. Gemeinsam mit den Hausaufgaben halfen sie mir dabei, Inhalte nachzuarbeiten, Zusammenhänge besser zu verstehen und bereits Gelerntes immer wieder neu einzuordnen.

Unsere Ausbilderinnen und auch die Gründerin des Instituts, Renate Wennekes, ermutigten uns regelmäßig, nicht einfach nur weiterzulernen, sondern auch zurückzublicken. Nachzulesen. Zu vertiefen. Neue Zusammenhänge zu entdecken.

Heute nutze ich diese Skripte noch immer als wertvolle Nachschlagewerke.

Mindestens genauso prägend wie die Inhalte waren für mich die Menschen im Institut.

Alle Mitarbeitenden trugen dazu bei, eine Atmosphäre zu schaffen, die ich als warmherzig, verbindlich und gleichzeitig hochprofessionell erlebt habe. Ich fühlte mich jederzeit gut begleitet.

Dabei gehöre ich eher zu den Menschen, die vieles zunächst mit sich selbst ausmachen.

Aber wann immer ich Unterstützung brauchte und danach fragte, war sie da.

Auch die Räumlichkeiten haben für mein Lernen einen Unterschied gemacht.

Das Institut bot genau die Umgebung, die ich brauchte. Es gab Orte zum konzentrierten Arbeiten, Räume für Austausch und Begegnung, Möglichkeiten, sich zurückzuziehen oder ganz bewusst mitten ins Geschehen einzutauchen. Selbst die liebevoll ausgestattete Küche trug dazu bei, dass wir uns in den Pausen gerne gemeinsam gesund versorgten und Zeit miteinander verbrachten.

Und dann war da noch unsere Ausbildungsgruppe.

Sie war für mich ein echtes Geschenk.

Zum ersten Mal in all meinen Aus- und Weiterbildungen hatte ich das Gefühl, vollkommen dazuzugehören. Ich fühlte mich angenommen, gemocht und wertvoll – nicht nur während der Kurse, sondern auch darüber hinaus.

Ich bin sicher, dass Lernen genau dann besonders nachhaltig wird, wenn Wissen, Menschen und Atmosphäre zusammenpassen.

Im Institut habe ich genau das erlebt.

Die größte Überraschung wartete allerdings nicht im Unterricht, sondern in mir selbst.

Im nächsten Beitrag erzähle ich, warum diese Ausbildung zu einer der intensivsten persönlichen Entwicklungsreisen meines Lebens wurde.

Meike Simpson

Kinesiologin BK DGAK zertifiziert