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Ulla´s Blog: Geborgenheit

Viele unserer Mitmenschen sehnen sich in dieser hektischen Zeit nach Liebe und Geborgenheit. Einige können dieses Sehnen benennen, andere fühlen etwas Diffuses Unangenehmes  in ihrem Körper, das  unterschwellig immer da ist. Es tritt meistens im Ruhemodus auf. Spüren wir dieses Gefühl von Unwohlsein, lenkt sich der eine evtl. mit einem Gläschen Wein am Abend ab, der andere mit einem Krimi im Fernsehen usw..
Es ist seit Jahren längst bekannt, dass unsere Gesellschaft mit ihrem hohen Leistungsanspruch immer mehr Druck aufbaut. Kindergärten , Schulen und Ausbildungsbetriebe müssen immer höhere Standards bedienen. Dokumentieren , kontrollieren, reklamieren hält vom Wesentlichen ab. Die Folge ist unweigerlich die Angst vorm Versagen, die Angst davor Fehler zu machen. Zunehmend entsteht dann ein Gefühl der Unsicherheit. Steigert sich dieses Gefühl der Unsicherheit, glaubt man von sich selber“ Ich kann gar nichts mehr“ , nicht mal die einfachsten Dinge, die sonst automatisch von der Hand gingen stellt man in Frage.
Der-oder diejenige könnte sich dann fragen „ Warum kriege ich es nicht hin, und meine Kollegin schmeißt die Arbeit, als wäre es ein Spaziergang. Was ist mit mir passiert, und ab wann ist es angefangen?
Die Ursachen können wir natürlich in dem oben beschriebenen finden, aber warum hält der eine den ganzen Nervenkrieg aus und der andere ist irgendwann total erschöpft und ausgebrannt. Das Zauberwort ist RESILIENZ. Es geht dabei um unsere persönliche Widerstandskraft. Sie entsteht in unserer Kindheit in einem sicheren, liebevollem Umfeld. Dort erfahren wir  Geborgenheit, das Angenommensein, die Regeln und Gesetze und die bedingungslose Liebe. Das heißt nicht, dass dem Kind alle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, sondern vor allem im 1. Lebensjahr übt das Kind immer und immer wieder aus seiner eigenen Kraft heraus Dinge zu erobern. Wenn wir es zulassen, dass ein Kleinkind aus eigener Kraft und Anstrengung einen Gegenstand zu sich ranholt, obwohl es nicht einfach für es ist, ist es stolz und überglücklich wenn es das Ziel erreicht hat.
Wenn das Kind in der Schwangerschaft Ruhe und Geborgenheit findet, das Umfeld entspannt und harmonisch ist und die Mutter eine gute Verbindung zum Kind aufbaut, ist die Basis für die innere Einstellung zum Leben gelegt. Gefestigt wird dann das Vertrauen in den nächsten 3 Jahren, in denen die Mutter die Hauptbezugsperson spielt.
Durch das Stillen wird das Immunsystem und die Bindung zur Mutter maßgeblich gestärkt. Werden die Kinder zu früh von der Mutter getrennt, kann ein Gefühl von Orientierungslosigkeit entstehen. Die Kinder bekommen Angst, können es aber nicht äußern, sie reagieren mit Weinen,Spucken  oder Verdauungsproblemen.
Aber sie lernen zu kompensieren. Über Jahre hinweg klappt es ganz gut.Wenn der inzwischen Erwachsene dann über längere Zeit sich zu viel an Arbeit und Unannehmlichkeiten ansammelt, kippt das System und der überarbeitende Mensch bricht zusammen.
Wer dann an seine schöne Kindheit mit vielen positiven Erinnerungen anknüpfen kann und sich an das Gefühl von Geborgenheit und Schutz erinnert, der kann  seine ursprüngliche Widerstandskraft wieder erkennen und daran lernen. Yoga, Meditation und andere Entspannungstechniken helfen dabei.
Eine Frau erzählte während des Vortrages über Weihnachtsstress, welche schöne Erinnerung sie an Heiligabend hat. Für sie war es ein überwältigendes Erlebnis, als alle Kinder Heiligabend zum Nachbarn auf die Diele liefen, um dort auf einer Schaukel zu schaukeln, die Platz für fünf Kinder hatte. Die Kühe lagen gemächlich und friedlich in ihren Boxen und sie hatte ein tiefes Gefühl von Geborgenheit.
An dieses Gefühl kann sie immer wieder anknüpfen, auch wenn es mal ein Weihnachten gibt, das extrem herausfordernd ist.

Solange Herz und Auge offen,
um sich am Schönen zu erfreuen,
solange darf man freudig hoffen,
wird  auch die Welt vorhanden sein.     Wilhelm Busch

Tipp: Der Kurs „Sehnsucht und Burnout“ aus der Reihe Beziehungsreflexe von Renate Wennekes.
Unterstützung:
Mit den Kindern eine Höhle bauen, Rituale einhalten, Konflikte lösen, in der Adventszeit ruhig mal Langeweile aufkommen lassen, daraus kann sich was tolles entwickeln.

Affirmation: Ich bin entspannt und sicher

Eure Ulla